Daniel D. Eckert im Interview

Daniel D. Eckert hat den Deutschen Finanzbuchpreis 2014 gewonnen. Nach der Preisverleihung traf sich das Team des Deutschen Finanzbuchpreises mit Daniel D. Eckert zum Interview.


Herr Eckert, herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Deutschen Finanbuchpreises 2014! Was glauben Sie, warum die Jury des Finanzbuchpreises ausgerechnet ein Buch über Gold für einen so renommierten Buchpreis ausgewählt hat?

In meinem Buch erzähle ich Geschichte in Geschichten. Nicht nur die Geschichte des Goldes, sondern die unseres Geldes überhaupt. Geld ist ja keine Sache der reinen Mathematik. Es ist etwas Gesellschaftliches. Wir alle wollen die Ursprünge unserer Geldordnung kennen, wollen wissen: Wo kommt das alles her? Eine historische Begebenheit erklärt da manchmal mehr als eine mathematische Formel. Denken Sie nur an Isaac Newton, der England durch einen Rechenfehler zum Goldstandard brachte und dadurch eine Kette von Ereignissen auslöste, die bis heute fortwirkt. Newton, Greenspan oder auch Hjalmar Schacht, der umstrittene Reichsbankpräsident der Zwanziger- und Dreißigerjahre, haben das Bild geprägt, das wir von Geld haben. Davon erzähle ich. Aber ich bleibe nicht bei der Geschichte stehen, sondern skizziere auch, wie es angesichts der Billionen-Schulden weiter gehen kann mit unserem Geld.

Warum haben Sie ein Buch über das Thema "Gold" geschrieben?

Gold eignet sich wunderbar, um einigen hochspannenden Fragen nach dem Wesen des Geldes nachzugehen: Was ist Geld? Wie entsteht es? Wann funktioniert eine Währung? Und wann scheitert sie? Alles Reden über die Banken und unser Finanzsystem hilft nichts, wenn wir uns nicht klar machen, was es im Innersten zusammenhält und auseinandertreibt. Dazu kommt: Wenn wir wirklich wollen, dass unser Währungssystem auf gesünderen Beinen steht, dass also Erschütterungen wie 2008 nicht mehr möglich sind, bietet sich Gold an. Gold ist ein natürlicher Anwärter, es ist auf jeden Fall näher dran, ein globales Geld zu sein, als Bitcoin oder Silber, obwohl die gewiss auch eine Rolle spielen könnten.  

Halten Sie einen Zusammenbruch des internationalen Papiergeldsystems in den nächsten Jahren für wahrscheinlich?

Der Historiker soll sich bekanntlich hüten, Punktprognosen abzugeben. Die Geschichte ist nicht vorherbestimmt. Das Ende des Habsburger Reichs wurde seit Napoleons Zeiten immer wieder vorhergesagt, und kam dann erst 1918. Umgekehrt hatte ein Jahrhundert später kaum ein Osteuropa-Experte den Untergang der Sowjetunion auf dem Schirm, und der passierte dann 1990/91, und zwar ziemlich schnell. Was sich aber sagen lässt: Unsere Sucht nach Schulden wird auf Dauer nicht gut gehen und weitere schwere Erschütterungen im Finanzsystem bringen. Die Finanzkrise nach dem Kollaps von Lehman war ein Vorbeben. Weiteres Übel wird folgen. Die große Umwälzung kommt.

Könnte Gold wieder globale Leitwährung werden? Wer wird den Weltkrieg der Währungen gewinnen?

Gold kann nicht alle Probleme lösen, aber ich halte es für denkbar, dass das Metall zum Stützpfeiler des globalen Devisensystems erkoren wird. Gold ist dafür prädestiniert, weil es bestimmte Eigenschaften hat, die Dollar und Euro abgehen: Es ist selten, nicht beliebig vermehrbar und von der Gunst keines Staates abhängig. Außerdem wird es weltweit akzeptiert. Wenn man genau hinschaut, hat seine Renaissance als Währung schon begonnen. Schwellenländer von Korea bis Russland bauen ihre Edelmetall-Reserven aus, nicht zuletzt um weniger abhängig vom Dollar zu werden. Die USA ihrerseits haben bei bald 18 Billionen Dollar Schulden bald allen Grund, an ihren Beständen, den größten der Welt, festzuhalten oder sie aufzustocken. Insofern glaube ich: Ja, Gold wird den Weltkrieg der Währungen entscheiden.


Herr Eckert, wir bedanken uns sehr herzlich für das Gespräch.

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